Begegnung mit Herrn Argyris Sfountouris am 22. Mai 2017

Die Schüler/innen der 10d/e sprachen mit Herrn Sfountouris über seine traumatischen Erinnerungen an das Massaker des 10. Juni 1944, sowie über „das Leben nach dem Überleben“, seine Jugend in der Schweiz, über Schuld und Aufarbeitung der Vergangenheit, über historische Verantwortung im vereinten Europa und auch über die deutsch-griechischen Beziehungen. Moderiert wurde das Gespräch von Nefeli Tatsi 10d und Theo Famelis 10e.

„Es war ein sehr intensives Erlebnis mit der Geschichte, die uns sehr betroffen und nachdenkliche machte“ aber auch „eine enorme Bereicherung und Erfahrung, an die wir uns immer zurückerinnern werden“.

„Ich habe aus den Schilderungen von Herrn Sfountouris, eines bedeutenden Zeitzeugen, die Geschehnisse und deren Bedeutung für die Menschen damals und heute viel besser verstanden als aus den Geschichtsbüchern.“

Das sind nur wenige, der vielen Schülerzitate der Klasse 10e, die betonen, wie wichtig eine offene, kritische und ehrliche Auseinandersetzung mit Geschichte für heutige Jugendliche in einer Zeit ist, die gerade wieder Gefahr läuft in historische Demenz zu verfallen. Herr Sfountouris erzählte in sehr eindrücklichen Worten von den Schrecken und Gräueln der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg und den Verbrechen, die an seiner Familie begangen wurden. Viele Erinnerungen an diesen Tag im Juni sind noch sehr präsent. Lange Jahre litt er unter Albträumen.

Wie leben mit so einer tragischen Vergangenheit? Sie wurde ihm zu einer Lebensaufgabe, die alternativlos und unabänderlich war. Seit mehr als 20 Jahren mahnt er an das deutsche historische Gewissen u.a. durch seinen jahrzehntelangen Kampf um Anerkennung der Kriegsverbrechen durch Deutschland und sein beharrliches Eintreten für Entschädigungszahlungen an die Überlebenden von Distomo. So endete die Diskussion schließlich auch mit der entscheidenden Frage, ob sich denn in Deutschland in Bezug auf die historische Verantwortung gegenüber Griechenland durch sein mutiges Engagement etwas geändert habe, mit der positiven und hoffnungsvollen Feststellung, dass eine Menge an Aufklärungs- und Informationsarbeit geleistet worden ist, die bei vielen deutschen Bürgern und Regierenden ankam. Es gibt heute eine größere moralische Einsicht und Überzeugung in die Notwendigkeit der gemeinsamen Aufarbeitung der deutsch-griechischen Vergangenheit des 2. Weltkriegs als noch vor 20 Jahren, denn „nur gemeinsam können wir eine bessere und friedlichere Welt gestalten, in der es in der Zukunft nur Sieger und keine Opfer mehr geben wird.“

Wir danken Herrn Sfountouris sehr herzlich für sein Kommen!