Hörspielprojekt: EVROS WALK WATER

Wie kann man eine Beziehung zu jugendlichen Flüchtlingen, zu ihren Erlebnissen vor, auf und nach ihrer Flucht aufbauen?

Unter dem Titel EVROS WALK WATER hat Daniel Wetzel (Performancegruppe Rimini Protokoll) mit 15 Jungen aus dem Irak, aus Afghanistan und Syrien, die nach ihren traumatischen Erlebnissen auf ihrer Flucht und nach den dramatischen Zuständen in griechischen Auffanglagern in einem Haus in Exarchia Unterschlupf gefunden hatten, ein Hörstück erarbeitet. Das Stück wurde bereits in vielen Städten Europas aufgeführt und kehrte jetzt nach Athen zurück, wo es auch seine Fortsetzung finden wird.

Am 7. April 2017 besuchten die Klassen 4a und 4b das Studio von Herrn Wetzel (Vater einer Mitschülerin), in dem das Stück gerade für die Performance in Athen geprobt wurde. Dort waren 24 Hörstationen aufgebaut, viele mit Instrumenten oder Gegenständen, mit denen sich Geräusche erzeugen lassen. An den Stationen lauschten die Kinder über Kopfhörer gespannt, betroffen und bewegt den Erzählungen der jugendlichen Flüchtlinge und folgten anschließend deren Anweisungen zur Bedienung der „Instrumente“, um das „Konzert“ zum Klingen zu bringen. Es entstand sozusagen eine Kooperation zwischen den eigentlichen Darstellern, nämlich den jungen Flüchtlingen, die aber nicht anwesend sein konnten, und unseren Kindern, die stellvertretend für sie, die Geräusche und Klänge erzeugten.

EVROS WALK WATER brachte eine Gruppe von jungen Flüchtlingen ganz nah zu uns und ließ uns an ihrer Stelle und für sie Musik machen. Es erlaubte uns einen Zugang, der nicht nur auf Betroffenheit abzielte, sondern auf geteilte Erfahrung mit den Geräuschen der abwesenden Spieler.

Wilma Schimpfle